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2026

Symbolphoto - Sabastian Sawe - 2025 Berlin Marathon Weekend Berlin, Germany September 20-21, 2025 Photo: Victah Sailer@PhotoRun victah1111@aol.com

Historischer Tag in London: Sabastian Sawe sprengt die letzte große Marathon-Grenze – Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

By GRR 0

Der 26. April 2026 wird für immer einen festen Platz in der Geschichte des Laufsports haben. Beim TCS London Marathon gelang dem Kenianer Sabastian Sawe etwas, das jahrzehntelang als nahezu unmöglich galt:

Er lief die 42,195 Kilometer in 1:59:30 Stunden und wurde damit der erste Mensch, der einen Marathon unter regulären Wettkampfbedingungen offiziell unter zwei Stunden absolvierte.

Damit pulverisierte Sawe nicht nur die symbolträchtige Zwei-Stunden-Marke, sondern auch den bisherigen Weltrekord seines verstorbenen Landsmanns Kelvin Kiptum, der 2023 in Chicago 2:00:35 Stunden gelaufen war. Der neue Weltrekord ist damit ganze 65 Sekunden schneller – eine enorme Verbesserung auf diesem Leistungsniveau

Schon vor dem Start lag Geschichte in der Luft

 

Die Bedingungen in London waren nahezu ideal: kühle Temperaturen, kaum Wind, trockene Straßen und ein Feld voller Weltklasse-Athleten. Schon im Vorfeld war klar, dass Sawe in Form seines Lebens angereist war. Nach seinen Siegen in Valencia, London und Berlin galt er ohnehin als der neue Maßstab im Marathon.

Doch selbst Experten wagten kaum die Prognose, dass die Zwei-Stunden-Marke bereits 2026 fallen könnte.

Von Beginn an setzten die Tempomacher ein aggressives Tempo. Das Feld lief deutlich schneller an als bei klassischen Championship-Rennen – alles war auf Rekord ausgerichtet.

Halbmarathon in 1:00:29 – Weltrekordkurs bestätigt

Bereits bei Kilometer 10 zeigte sich, dass dies kein gewöhnlicher Marathon werden würde. Sawe lief extrem kontrolliert, ohne sichtbare Probleme, stets perfekt eingebettet hinter den Pacemakern.

Die Halbmarathonmarke passierte er in:

HM=1:00:29t

also klar auf Kurs Richtung Weltrekord. Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen noch relativ geschlossen. Neben Sawe hielten sich vor allem der Äthiopier Yomif Kejelcha und Ugandas Jacob Kiplimo in Schlagdistanz.

Die Entscheidung: Angriff nach 30 Kilometern

Der eigentliche Wendepunkt kam nach etwa 30 Kilometern.

Als der letzte Tempomacher ausstieg, erhöhte Sawe plötzlich das Tempo deutlich – gemeinsam mit Kejelcha setzte er sich an einer Verpflegungsstation vom Feld ab. Kiplimo konnte den Wechsel nicht mehr mitgehen.

Besonders spektakulär war der Abschnitt zwischen Kilometer 30 und 35:

5 km=13:54 min

Diese Passage war nahezu absurd schnell – fast auf dem Niveau eines eigenständigen Elite-5-km-Rennens. The Guardian schrieb, dass diese 5-km-Zeit nur zwölf Sekunden langsamer war als ein internationaler Spitzenwert über diese Distanz.

Hier fiel die Vorentscheidung.

Die letzten Kilometer: Das Rennen gegen die Uhr

Kejelcha kämpfte beeindruckend mit, doch etwa eine Meile vor dem Ziel konnte selbst er Sawes Tempo nicht mehr halten.

Auf The Mall, mit Buckingham Palace im Hintergrund und tausenden Zuschauern an den Absperrungen, lief Sawe schließlich allein dem historischen Ziel entgegen.

Als die Uhr aufleuchtete, stand dort:

1:59:30

Nicht 1:59:59. Nicht 1:59:58.

Sondern ein Lauf, der den bisherigen Rekord regelrecht zerstörte.

Sawe hob im Ziel seine Schuhe hoch, blickte auf die Anzeigetafel – und die Marathonwelt hatte sich verändert.

Die wichtigsten Zwischenzeiten

Sabastian Sawe – Weltrekordlauf

Distanz Zwischenzeit
5 km ca. 14:15
10 km ca. 28:30
15 km ca. 42:50
20 km ca. 57:20
Halbmarathon 1:00:29
30 km ca. 1:25:40
35 km ca. 1:39:34
40 km ca. 1:53:20
Ziel 1:59:30

Besonders auffällig: Sawe lief einen starken negativen Split – etwa 60:29 / 59:01, also die zweite Hälfte sogar noch schneller als die erste. Das ist bei Weltrekordtempo außergewöhnlich selten.

Ein historisches Podium

Fast noch unglaublicher: Nicht nur Sawe blieb unter zwei Stunden.

Männer-Elite:

  1. Sabastian Sawe – 1:59:30 (WR)
  2. Yomif Kejelcha – 1:59:41
  3. Jacob Kiplimo – 2:00:28

Damit liefen sogar Platz zwei und Platz drei schneller als der bisherige Weltrekord von Kelvin Kiptum.

Kejelcha stellte gleichzeitig die schnellste jemals gelaufene Marathonzeit ohne Sieg auf – und das bei seinem Marathon-Debüt.

Der Unterschied zu Kipchoge

Natürlich erinnerte sofort alles an Eliud Kipchoge und seinen berühmten INEOS-1:59-Lauf 2019 in Wien (1:59:40).

Doch dieser Lauf war kein offizieller Weltrekord:

  • wechselnde Pacemaker
  • speziell kontrollierte Bedingungen
  • kein regulärer Wettkampf
  • nicht rekordfähige Organisation

Sawe dagegen lief seinen Rekord im offiziellen Rennen, mit regulärer Konkurrenz und unter vollständiger Anerkennung durch World Athletics.

Deshalb gilt London 2026 nun als der wahre Durchbruch der Sub-2-Ära.

Auch bei den Frauen ein Rekordtag

Fast etwas untergegangen: Auch das Frauenrennen war historisch.

Die Äthiopierin Tigst Assefa verteidigte ihren Titel in 2:15:41 Stunden und stellte damit einen neuen Weltrekord für reine Frauenrennen auf.

London 2026 wurde damit zu einem Tag doppelter Rekordgeschichte.

Fazit: Der Sport hat eine neue Grenze

Roger Bannisters Vier-Minuten-Meile.
Kipchoges inoffizielle Sub-2.
Und jetzt: Sawes offizieller Marathon unter zwei Stunden.

Mit 1:59:30 hat Sabastian Sawe nicht einfach einen Weltrekord gebrochen.

Er hat eine Grenze verschoben, die viele für unantastbar hielten.

Der Marathon beginnt nach diesem Sonntag sporthistorisch in einer neuen Zeitrechnung. Diese Leistungsentwicklung im Marathon ist auch verbunden mit den Entwicklungen neuer Schuhtechnologien.

Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

author: GRR